Die Gebannte - Die Alchimistin III by Kai Meyer

Die Gebannte - Die Alchimistin III by Kai Meyer

Author:Kai Meyer [Meyer, Kai]
Language: deu
Format: epub
Publisher: Heyne
Published: 2012-03-21T23:00:00+00:00


KAPITEL 34

Sie kamen die Treppen herabgestürmt, drei Männer den Schritten nach. In zwanzig Sekunden würden sie unten sein.

Gillian zog Gian wortlos zum Haupteingang.

»Warte«, flüsterte er, drückte die Tür einen Spaltbreit auf und sah hinaus ins Dunkel. Am Fuß der Außentreppe standen drei weitere Männer und beobachteten den Bürgersteig und die Straße. Niemand sollte in diesen Minuten die Pension betreten.

Er schloss die Tür wieder, ohne dass sie ihn bemerkten. »Wir haben eine Chance«, sagte er zu Gian. Der war leichenblass geworden, aber keineswegs gelähmt vor Schreck. Brauchbares Erbgut, von beiden Seiten.

Die Schritte auf der Treppe polterten heran. Die Männer konnten nicht wissen, dass die beiden hier unten waren. Ein Stockwerk noch.

Gillian nickte zur Tür des Frühstücksraums hinüber, gegenüber der Rezeption. Mit wenigen Schritten waren sie dort. Halb hatte er befürchtet, dass der Durchgang so spät am Abend abgeschlossen wäre, doch die Tür schwang auf und sie huschten mit ihrem Gepäck hinein.

»Nicht zumachen«, raunte er Gian zu, »nur anlehnen.« Auf keinen Fall Geräusche verursachen. Wenn sie Glück hatten, erinnerte sich keiner der Männer daran, dass die Tür bei ihrer Ankunft geschlossen gewesen war.

Der Raum war düster, nur durch die Gardinen am Fenster fiel das Licht einer Straßenlaterne herein. Zwei der fünf Tische waren für das Frühstück am nächsten Morgen eingedeckt.

Gillian deutete zu einer weiteren Tür. Dahinter befand sich die Küche. Möglicherweise gab es dort einen Hinterausgang, zumindest ein Fenster zum Innenhof.

Die drei Männer kamen die Treppe herab und blieben den Schritten nach vor der Rezeption stehen.

»Sieh nach, wann er abgereist ist!«, kommandierte einer. Ein anderer sagte: »Kann nicht lange her sein. Die anderen haben ihn vor nicht mal ’ner halben Stunde hier reingehen sehen.«

Nach der Sache mit dem Schmuggler musste ihm jemand gefolgt sein. Gillian kam sich vor wie ein Anfänger, die Jahre beim Templum Novum hatten ihn nachlässig gemacht.

Er schickte Gian voraus in die Küche. Die Klinke knirschte leise.

Einer der Männer im Foyer setzte sich in Bewegung.

Gillian huschte hinter Gian her, der bereits in der Dunkelheit verschwunden war. Als er selbst die Küche betrat, machte sich sein Sohn gerade an der Hoftür zu schaffen. Sie war abgeschlossen.

Was jetzt?, fragte Gians Blick.

Draußen im Frühstückszimmer wurden die Lampen eingeschaltet.

»Ist da drinnen einer?«, rief eine Stimme aus dem Foyer.

Eine zweite, viel näher, antwortete: »Sieht nicht so aus.«

Gillian beugte sich an Gians Ohr: »Sieh nach, ob irgendwo der Schlüssel liegt. Aber leise. Ich halte sie auf.«

»Ich will dir helfen.«

Gillian schüttelte den Kopf. »Such den Schlüssel!«, fauchte er.

Der Mann, der das Gästebuch überprüfte, rief: »Hier steht nichts von ’ner Abreise. Die Bezahlung ist noch offen. Außerdem hätte uns die Alte nie und nimmer angelogen.«

Schritte, die den Frühstücksraum durchquerten. Gillian hatte die Verbindungstür hinter sich angelehnt, aber durch den Spalt konnte er den Schatten des Mannes auf dem Boden sehen.

Gian suchte nach dem Schlüssel, hatte aber richtig erkannt, dass es zu laut wäre, die Deckel und Schubladen zu öffnen. Mit einem Schulterzucken gab er Gillian zu verstehen, dass er so nicht weiterkäme.

Die Küche war ein quadratischer Raum, in dessen Mitte ein schwerer Tisch stand. Darüber baumelten Töpfe und Kellen von der Decke.



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